Meilenstein für die Drehbearbeitung von Titan

Boehlerit-1502-BCS10T-BildBoehlerit entwickelt neue Wendeplatten für schwer zerspanbare Spezialwerkstoffe

Die neuen Wendeplatten BCS10T von Boehlerit für die Bearbeitung von Titanwerkstoffen, ermöglichen Anpassungen der Schnittdaten um rund 25%. In der Praxis werden Standzeitsteigerungen um bis zu 40% erreicht.

In vielen Technikbereichen ersetzten immer mehr Hochleistungswerkstoffe wie Inconel, Hastelloy, Waspaloy oder Titan traditionelle Materialien. Solche Spezialwerkstoffe kommen vor allem in der Luft- und Raumfahrt oder in vielen Bereichen der Fahrzeugindustrie bis hin zur Kraftwerks- und Medizintechnik zum Einsatz. Sie gelten allerdings als schwer zerspanbar und erfordern geeignete Werkzeuge respektive Wendeplatten zum Drehen und Fräsen. Boehlerit im obersteirischen Kapfenberg ist seit vielen Jahren in solchen Hochtechnologiebereichen erfolgreich. „Wir pflegen unseren Grundbaukasten im Bereich der Stahlbearbeitung, sind aber verstärkt im Bereich der schwer zerspanbaren Werkstoffe tätig. So sind wir anerkannter Partner bei weltweit agierenden Nischenplayern im Rennsport oder der Luftfahrtindustrie“, betont Gerhard Melcher, der Marketingleiter bei Boehlerit. Auch mit der neuen Sorte BCS10T (ISO-S10) setzt Boehlerit wieder einen neuen Meilenstein – in diesem Fall für die Drehbearbeitung von Titanwerkstoffen.

Bisher hat man bei der Bearbeitung von Titanmaterialien vorwiegend auf unbeschichtete K10 Wendeplatten gesetzt. Auch für die Entwicklung der neuen BCS10T wurde bei der Wahl des Hartmetalls auf ein ausgewähltes K10 Feinstkornsubstrat zurückgegriffen. Das innovative Hartmetallsubstrat ist besonders temperaturstabil und zeichnet sich durch eine geringe Neigung zur plastischen Verformung aus. Ergänzend dazu hat Boehlerit eine neue Beschichtung entwickelt. Dabei handelt es sich um eine 3 µm dünne, spezielle TiBN Plasma CVD Schicht, die besonders temperatur- und oxidationsbeständig ist. Außerdem zeichnet sie sich durch eine geringe Aufklebeneigung aus, was bei Titanwerkstoffen unbedingt notwendig ist.

„Um im Bereich der Zerspanung erfolgreich zu sein, müssen immer drei Parameter zusammenpassen; Hartmetall, Beschichtung und Geometrie“, erklärt Melcher. So haben die Ingenieure bei Boehlerit auch einen neuen Spanformer MT (Mittel Titan) entwickelt, mit dem die neue Drehsorte BCS10T ausgestattet ist. Mit einer scharfen Schneide gewährleistet diese Spanformgeometrie den sicheren Spanbruch bei mittlerer und leichter Schruppbearbeitung. Bei kleineren ISO-Platten wie z.B. CNMG120408 ist der MT Spanbrecher in einem Vorschubbereich von 0,2 – 0,45 mm/U einsetzbar. Das Zusammenspiel von Hartmetall und Beschichtung mit dem neuen Spanformer MT in der neuen Sorte BCS10T sorgt in der Praxis für Standzeitsteigerungen von bis zu 40%. Eine Anpassung der Schnittdaten um ca. 25% nach oben stellt kein Problem dar: Die Platte hält.

Diese richtungsweisenden Entwicklungen eignen sich vor allem zum Einsatz in speziellen Nischen, um sowohl unlegierte Titansorten wie z.B. Ti (ASTM1-11), α – Legierungen oder α + β Legierungen (z.B. Ti-6Al-4V) mit hoher Sicherheit zu bearbeiten.

Neben Innovationen in den Bereichen Hartmetalle und Beschichtungen arbeiten die Kapfenberger Spezialisten verstärkt an der Entwicklung weiterer Geometrien, die rechtzeitig zur EMO 2015 in Mailand vorgestellt werden. Parallel dazu setzt Boehlerit sein Know-how auch in der Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Rostfreibearbeitung sowie bei der Entwicklung geeigneter Wendeplatten für die Bearbeitung der eingangs erwähnten Spezialwerkstoffe Inconel usw. ein.